Brief 13, November 2019

Was verstehen wir unter „Schülerorientierung“

„Was für ein Kind gut ist, weiß allein das Kind.“ Maria Montessori

Lieber Sacha,

„Schülerorientierung“ ist der Gegenbegriff zur „Lehrplanorientierung“. Es handelt  sich hierbei um zwei didaktische Begriffe, die wichtige Werte im Schulwesen darstellen. Sie sind, sich gegenseitig ausbalancierend, auf einander bezogen. Eine reine Schülerorientierung, die sich nicht um curriculare Vorgaben kümmert, vernachlässigt eine auch für die Lernenden notwendige Orientierung an prüfungs- und abschlussorientierten Vorgaben. Solange Schule immer auch die berufliche Karriere, d.h. die für den beruflichen Werdegang notwendigen Abschlüsse zum Ziel hat, kann sie Lehrpläne und sonstige curricularen Vorgaben nicht ignorieren. 

Anderseits kann eine schulische Ausbildung nur erfolgreich sein, wenn sie die individuellen Erfahrungen, Ressourcen, Wünsche, Interessen, Lern- und Arbeitsformen berücksichtigt. Am besten lässt sich dieser Zusammenhang in einem „Wertequadrat“ darstellen.

Bei der Unterrichtung von eher schwachen Schüler*innen in Ausbildungsvorbereitungsklassen sollte  „Schülerorientierung“ einen besonderen Stellenwert haben.

Diese Schüler haben an den eher lehrplanorientiert arbeitenden Schulen ihrer bisherigen Schulkarriere oft zu wenig Erfolge, da möglicherweise ihre Individualität als Lernende zu wenig beachtet werden konnte oder wurde. Mit der Orientierung an diesen  Schülern setzen Du das wichtige Ziel um, dass die Schüler*innen bei Dir wieder entdecken können, dass Lernen Freude machen kann, dass Lernen Wege öffnet, sich selbst zu entdecken und zu entwickeln. Dein Ziel als Lehrer sollte es letztlich sei, dass Deine Schüler lieber in die Schule kommen, als sie zu verlassen. Dem kannst du näher kommen, wenn Du mit Deinen Schüler*innen als Personen eine vertrauensvolle Beziehung aufbaust und sie wertschätzt mit ihren individuellen Stärken, Vorerfahrungen, Bedürfnissen und Orientierungsbedarfen. Und wenn Du sie auf einem individuellen Lernweg begleitest, d.h, dass Du sie nicht über- aber auch nicht unterforderst.