Brief 16, November 2019

Welche pädagogischen Herausforderungen sind mit der zunehmenden „Interkulturalität“ an Berufsschulen verbunden?

„Solange Du dem Anderen sein Anderssein nicht verzeihen kannst, bist Du weit ab vom Wege zur Weisheit.“Chinesisches Sprichwort

„In Dir selbst ist die ganze Welt verborgen, und wenn du weißt, wie man schaut und lernt, dann ist die Tür da und der Schlüssel ist deine Hand. Niemand kann dir diesen Schlüssel geben und die Tür zeigen. Nur Du bist dazu in der Lage.“Krishnamurti

„Das größte Hindernis für Entdeckungen ist nicht Unwissen, sondern die Illusion von Wissen.“Daniel J. Boorstin

Liebe Petra,

Interkulturalität müsste in einer demokratischen Gesellschaft und in ihren Schulen eine Selbstverständlichkeit sein.

Das Anliegen von uns  Lehrer*innen sollte es sein,  alle uns anvertrauten Schülerinnen und Schüler willkommen zu heißen und optimal zu fördern. Das  gilt für Menschen mit speziellen Kompetenzen, mit besonderen Orientierungen, mit jeder Religion, die aus allen Himmelsrichtungen zu uns kommen. Kultur meint dabei nicht nur die in Mitteleuropa gemachten Errungenschaften der Technik, des künstlerischen Handelns, der Religiosität und des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Wir sind letztlich neugierig auf alle kulturellen Errungenschaften, die unsere Schüler*innen mitbringen. 

Wir wissen, dass auch die Schüler*innen aus anderen Kulturen nur dann gut lernen und sich entwickeln können, wenn sie sich in einer Atmosphäre des gegenseitigen Respektes und der Wertschätzung wohl fühlen. Wenn Schüler*innen aus Kriegsgebieten kommen, alles verloren haben, oft traumatisiert sind, bedarf es einer besonders empfindsamen, empathischen Begleitung. 

Beim Zusammentreffen von Menschen verschiedener Kulturen können viele Missverständnisse entstehen, die es verhindern, dass sich die Schüler*innen sich angenommen und verstanden fühlen, dass sie Vertrauen aufbauen können.

Darum ist es für uns eine große Herausforderung unsere eigene interkulturelle Kompetenz zu entwickeln und dies auch von unseren Schüler*innen zu fordern und sie dabei unterstützen. 

Wir sind immer wieder motiviert unseren Schüler*innen, die aus anderen Kulturkreisen, man könnte auch sagen aus aller Welt zu uns kommen, mit Neugier, Offenheit und Interesse zu begegnen. In vielen Gesprächen im Kollegium und gemeinsamen Fortbildungen sollten wir unseren eigenen Vorurteilen auf die Spur kommen und unser Wissen über die verschieden Kulturen weiter entwickeln. Wir erkennen die Bandbreite mit der bei uns gängige Gesten und Verhaltensweisen, Bilder und Geschichten interpretiert, verstanden aber auch missverstanden werden können. Dabei lernen wir die Denk- und Verhaltensweisen unserer Schüler*innen auf der Basis unserer Kenntnisse bezüglich der verschiedenen Kulturen und der individuellen Erfahrungen und Schicksalsschläge zu interpretieren. Das fordert unsere Toleranz und Veränderungsbereitschaft heraus, aber auch unsere Fähigkeit, in annehmbarer Weise die für ein gelingendes Zusammenleben notwendige Verhaltensanforderungen zu erklären und durchzusetzen.